Vita von

Ronny Schönknecht

 

Inhaber / Gesellschafter

Kameramann

Editor

Bildtechniker

Publizist

 

Ein abwechslungsreiches Berufsleben...

1990 verließ ich, Ronny Schönknecht, die Polytechnische Oberschule (POS) nach 10 jähriger Schulausbildung und kam zum RFT Alcatel Arnstadt. Hier absolvierte ich eine 3 jährige Ausbildung zum Elektronikfacharbeiter mit Abitur. Ich erlernte die Elektronik von Grund auf, egal ob Schaltplanentwicklung, Schaltungsberechnung, Leiterplattenentwicklung, Verkabeln von Schaltschränken, Löten bis hin zur Werkstoffbearbeitung und und und. Eine fundierte Ausbildung, die mir heute sehr viel hilft.

Nach dieser Ausbildung 1993 kam ich durch einen günstigen Zufall zu Stratos-TV-Arnstadt. Einer kleinen Fernsehproduktionsfirma mit einer Kameraausrüstung - einer 400er Betacam-SP und einem 3-Maschinen-Schnittplatz. Es gab anfänglich nur den Chef, eine Bürokraft und mich. Diese Firma fing gerade an, sich beim MDR in Gera, dem Erben des Deutschen Fernsehfunk (DFF) anzubieten. Hier begann ich also als Kameraassistent die Fernsehwelt zu entdecken. Die Anfangszeit lief mehr schlecht als recht, oft hatte ich mehr Auto zu putzen, als Assistent zu sein.

Aber es wurde besser und es kamen die Aufträge. Frühzeitig zeichnete sich ab, dass die Sportberichterstattung das Aufgabenfeld der Firma werden könnte. Es kam eine 2. Kameraausrüstung, eine Industriebeta mit Andockrecorder, Halbzollobjektiv auf 300er Betacam-Basis - auf dieser Kamera erlernte ich, erst durch Fußballschwenken, dann über die Slomokamera am Spielfeldrand, die Kameraarbeit. In dieser Zeit erlernte ich auch das Editieren, das Scheiden der Beiträge am firmeneigenen Schnittplatz durch Selbststudium. Eine gute Mischung, da man am Schnittplatz am besten sieht, was man beim Drehen falsch machte. Der Schnitt machte mir immer besonders Spaß, analog, von einer Maschine zur anderen, über den BVE 900 zum 910er, am 3 Maschinenschnitt. Es ging immer weiter bergauf und voran mit meinen Kenntnissen.

Eine neue Entwicklung kam dann mit dem mobilen Schnitt. Der Firmensitz Arnstadt lag zu nah an Erfurt, dahin war der MDR mittlerweile von Gera her gezogen, um hier den Schnittplatz anzubieten. Also bauten wir den Schnittplatz in einen alten Fiat Dukato. Auf einem Holztisch installierten wir einen Hartschnittplatz von Maschine zu Maschine mit einem Shure-Tonmischer und schnitten ATP-Tennis, die Wartburg Open in Eisenach. Das ständige Auf- und Abbauen nervte natürlich und so perfektionierten wir diesen fahrenden Schnittplatz. Ein Rack wurde in den Fiat gebaut, ein 2 Maschinenplatz integriert und eine schwarze Ledercouch. Meine elektronischen Kenntnisse mit dem Denken in komplexen Schaltungen, brachten mir die Aufgabe zu, das erste Thüringer Schnittmobil zu verkabeln. 2 EB-Kameras mit Vorortschnitt - genial und zukunftssicher. Abwechselnd drehte und schnitt ich auf diesem Mobil. Eine schöne Zeit mit vielen persönlichen und dienstlichen Erfolgen. Parallel wurde ein Bedarfsschnittmobil in einen VW Bus gebaut, mit welchem ich schon über die Bundespolitik in Bonn für Thüringen berichtete. Bei diesen Produktionen war es sehr von Vorteil, dass ich erst drehen und dann gleich schneiden konnte - sparte es doch den Sender und der Firma einmal Personalkosten ein.

Bald jedoch war der alte Dukato wirklich alt. Ersatz musste her. Im Jahr 1999/2000 bekamen wir ein neues Auto, einen Renault Master. Eine hohle Nuss, die einmal ein Schnittmobil werden sollte. In der Firma waren wir mittlerweile über 10 Angestellte, jeder beteiligte sich an der Aufbauarbeit. Ich baute im Prinzip den kompletten 3 Maschinenschnittplatz mit RGB-Kreuzschiene, Steckfeldern, Bildmischer KM3000, Tonmischer, Schnittsteuerung und Kommunikation ein. Eine wundervolle Aufgabe, diese Fummelei, das Löten und die Schaltverkabelung, war genau mein Ding. Ich musste viel improvisieren aber am Ende lief alles prima. Ein supermodernes Schnittmobil war entstanden. Es machte Spaß darauf zu arbeiten.

 Die Arbeit kam auch, Sport, Politik und wieder Sport, wochentags wie wochenends. Bald reichte das Schneiden nicht mehr aus und wir bekamen die erste Livekamera auf den Wagen. Für Sport im Osten übertrugen wir Fußball heiß und mit Live-Einspiel nach Leipzig. Stress pur, musste doch schon nach 1 bis 2 Stunden nach dem Spielende das fertige Stück mit einer Länge von 5 – 18 min ein- bzw. überspielt werden. Der Wagen wurde weiter aufgerüstet, erst eine zweite Livekamera, dann Festplattenrecorder, dann eine dritte Kamera. Plötzlich bediente ich einen richtigen Übertragungswagen, stieg auf zum Ü-Wagenleiter. Gemeinsam mit meiner eingespielten Crew machte ich Liveschalten, Videowandbespielungen, meist beides zusammen, übertrugen sämtlichen Sport und fuhren bei Bedarf auch ins Ausland. Ich hatte die alleinige Verantwortlichkeit für den Schnellreportagewagen - Betrieb, Wartung und Personaleinarbeitung.

Parallel zu den SRW - Einsätzen, EB-Kameramann war ich nebenbei nach wie vor auch noch, bauten wir noch einen VW Bus als "Thüringens schnellstes Schnittmobil". Auch dieses durfte ich verkabeln aber so aufwendig wie der Master war es nicht. Mit diesem Mobil ging´s in alle Herren Länder, ob Radsport mit Motorradkameraeinsätzen, Biathlon nach Schweden, Österreich oder bis nach Norwegen, kein Weg war zu weit. So kam die Auslanderfahrung auch zu mir.

Und weiter ging die Entwicklung - P2 kam und damit der Computerschnitt. Non-linear war das neue Zauberwort der Fernsehwelt. Also bekam ich die Aufgabe, in die beiden Schnittmobile Avid Mediacomposer einzubauen. Kein Problem - wird gemacht. Langsam wird’s aber eng im SRW. Was an Technik verbaut wurde, muss auch betrieben werden. Ich, als computerbegeisterter Mensch mit vielen Vorkenntnissen, immerhin hatte ich in der Lehre schon den KC85/3 bedient, lernte den Avid-Schnitt. Nach anfänglichem "na, da bin ich aber mit nem Hartschnitt schneller", wuchs die Begeisterung für dieses System. Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, analog zu schneiden - obwohl ich es noch könnte.

Nun kann man natürlich ein Schnittmobil nicht überall mit hinnehmen. Dieses Problem löste jedoch der Computer, genauer der Laptop. Avid-Schnitt auf dem Laptop - die Welt und der Sport gehörten mir. Die Firma betrat Neuland, Überspiel aus der Kamera heraus, Filetransfer über langsame Leitungen und Kennenlernen der neuen Technik. Mit Firewire-MAZ und der P2-Kamera HPX500 fuhr ich z.B. nach Korea zur Biathlon WM, nach Izmir und Nîmes zum Handballpokal und 2010 der Höhepunkt für mich, zu den Olympischen Winterspielen nach Kanada, Vancouver. Schöne Erlebnisse, die tief in meinem Inneren bleiben. Kameramann und Editor – eine unschlagbare Kombination, die viele Thüringen Journal-Redakteure lieben gelernt haben.

 

Aber irgendwann ist die schöne Zeit vorbei. Aus dem kleinen Elektronikfacharbeiter, einem "...der eh alles macht, was ich sagen..." ist ein erfahrener Kameramann, Editor, Bildmischer, Ü-Wagenverantwortlicher geworden, ein Familienvater mit Frau und 2 Kindern, Haus und Hund. 17 Jahre Stratos-TV waren für mich eine schöne Zeit des Lernens und Wachsens aber auch viel der Entbehrung und des Verzichts. So beendete ich die Zusammenarbeit und seit dem 01.10.2010 bin ich nun Selbstständig in der Medienbranche. Als Freiberufler arbeite ich aktuell als freier Kameramann, freischaffender Editor mit eigenem Schnittplatz, Bildtechniker auf HD-Ü-Wagen und Publizist. 2011 erschien mein erstes Buch – „ Arnstadt eine Zeitreise“. Meine Tätigkeitsbereiche umfassen Livekamera, aktuelle Berichterstattung in Politik, Sport, Kultur, Information, Imagefilme für Wirtschaft und Industrie u.a. 

Meine Hauptauftraggeber waren der MDR Leipzig Kameradisposition, MDR Thüringen, ZDF Landesstudio Erfurt, Mohr Media Erfurt, Bildpool GmbH, Savidas Filmproduktion, Clip Film Suhl, Livecast TV Produktion GmbH Köln, Satcom, MMG Leipzig, Magiera TV Film- und Fernsehproduktion u.v.a.m.

Man sagt: "Alle 10 Jahre musst du dich verändern!" - Stimmt!

Die Unsicherheit als Freelancer lies mich neu denken. 2018 nahm ich Gespräche mit dem Inhaber von Bildpool Film- & Fernsehproduktion GmbH Dietmar Heger zwecks einer Altersübernahme seiner Firma auf. Zähe aber nette Verhandlungen folgten und im Juni 2019 übernahm ich die Firma Bildpool als alleiniger Inhaber. Plötzlich war ich eine Stufe aufgestiegen und war Chef einer Fernsehproduktionsfirma. Die Thüringer Situation, mit vielen sich im Preis bekämpfenden Firmen, war leider nicht so schön. Vorallem da ich viele Freelancer-Tage super mit der Firma Mohr Media von Harald Mohr zusammenarbeitete. Ich wollte hier kein Mitbewerber und Kongurent sein. Also gab es auch hier Gespräche mit Harald. Ergebnis: Wir bündelten unsere Kompetenzen und fusionierte. Die Firma Bildpool wuchs durch diese Fusion zur zweit größten Freien Produktionsfirma Thüringens hinter der 100%igen Tochter des MDR MCS Thüringen an. Übrigens so nebenbei ist die MCS Thüringen durch die Bevorzugung der MDR Landesfunkhauses Thüringen marktbeherrschend und marktverzerrend - aber das ist ein anderes Thema. Bildpool hat 6 Kamerateams, 2 Schnittplätze und mehrere Festangestellte - eine große Verantwortung für uns und andere, immerhin waren wir auch Arbeitgeber für über 35 Freelancer - Editoren, Techniker*inner und Kameramänner und -frauen. Wir setzten gleich Akzente und waren führend in der Bekämpfung von Lohndumping anderer Firmen, die sich, wie wir um die Krümmel des Gebührengelderkuchens der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten stritten. Wir setzten die erste deutliche Honorarerhöhung seit vielen Jahren durch. Es sollte die Attraktivität der Medienlandschaft Thüringens erhöht werden.Ja so kämpfen wir bis heute um unseren festen Stand in der Branche. Es wird immer schwerer. Die Marktbeherrschung der Tochtergesellschaften der Sendeanstalten erschwert den Erfolg privater Firmen. Das Problem hierbei ist, dass bei einer so geringen Vergabe von Aufträgen der Sender an den freien Markt und eine Beherrschung durch eine Tochter des Auftraggebers ein „echter“ Markt nicht existiert. Es besteht eine Marktbeherrschung durch eine 100%ige Tochter als Auftragnehmer. Es kann keine Bereinigung geben, da die Unternehmer ohne Aufträge nicht existieren können und Preis- bzw. Lohndumping betreiben müssen. Früher oder später bleiben alle Firmen auf der Strecke, da sie die nötigen Investitionen in Personal und Technik nicht leisten werden können. Ein starker Fachkräftemangel wegen Unattraktivität der Medienberufe im Thüringer Raum ist schon heute deutlich erkennbar.

Die Thüringer Medienlandschaft existiert nur verkümmert am Existenzminimum. Freie Mitarbeiter in Thüringen erhalten Honorare auf Mindestlohnniveau. Krankheits-, Altersvorsorge und Weiterbildung können nicht finanziert werden. Nachwuchs wird kaum ausgebildet. Wir Produzenten könne da wenig machen. Alternativen gibt es nicht wirklich. Die Thüringer Industrie, viele auch nur Töchter von westdeutschen Konzernen, vergeben kaum Imagefilme in Thüringen. Der Mittelstand investiert in Medieninhalte verhalten.

Wir wünschen uns eine politische Unterstützung für den Erhalt der Medienbranche und ihre Stärkung in Thüringen. Wir fordern einen neuen Rundfunkstaatsvertrag mit einer Unterbindung von uneingeschränkten Inhouse-Geschäften. Über die politische Beteiligung im Rundfunkrat soll eine Kontrolle über die faire Vergabe von Aufträgen der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten erfolgen. Dafür kämpfe ich!

 

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